„Der kleine Blitz aus England“ – Die Geschichte des Whippet
Es war einmal im nebligen Norden Englands, in der rauen Grafschaft Yorkshire, wo die Schornsteine rauchten und das Herz der Industrialisierung schlug. In diesen engen Gassen, wo hart arbeitende Bergleute und Textilarbeiter lebten, entstand im 18. und 19. Jahrhundert ein Hund, der so schnell war wie der Wind – der Whippet.
Doch der Whippet war nicht einfach vom Himmel gefallen. Nein – seine Ahnen waren edel und kräftig: Greyhounds, die aristokratischen Rennhunde Englands, gepaart mit kleineren, wendigeren Rassen wie dem Terrier oder dem italienischen Windspiel. Die Arbeiter, die sich keinen großen Greyhound leisten konnten, wollten dennoch an den beliebten Hunderennen teilnehmen. Also züchteten sie ihren eigenen „kleinen Greyhound“, der perfekt für kurze Distanzen war – schnell, leise und wendig. Der Whippet war geboren.
Die Menschen nannten ihn liebevoll den „Poor Man’s Racehorse“, denn während die feine Gesellschaft auf Rennpferde setzte, jagten die Arbeiter ihre Whippets über Felder, hinter Hasenattrappen her oder durch improvisierte Straßenrennen. Ein gutes Tier konnte das Wochengehalt eines Mannes gewinnen – oder verlieren.
Doch der Whippet war mehr als nur ein Renner. Am Ende des Tages, wenn das Feuer im Herd brannte und der Tee gezogen war, rollte sich der kleine Windhund in der Ecke des Wohnzimmers zusammen und wurde zum treuen Familienhund. Sanft zu Kindern, zufrieden mit wenig Platz, und mit einem Blick, der selbst das härteste Herz erweichte.
Mit der Zeit verließ der Whippet die grauen Städte des Nordens und trat seinen Siegeszug durch die Welt an. In den 1890ern wurde er vom British Kennel Club offiziell als Rasse anerkannt. Bald schon rannte er auch in Amerika über Rennbahnen und wurde zum beliebten Begleiter der Städter – elegant, pflegeleicht, schnell.
Heute, viele Generationen später, lebt der Geist dieser Arbeiterhunde noch immer in jedem Whippet: der Drang zu rennen, die Lust zu kuscheln, und der stille Stolz eines Hundes, der aus bescheidenen Verhältnissen zu weltweitem Ruhm gelangte.
Und so kam es, dass aus den dunklen Gassen Yorkshires ein Geschöpf entstand, das bis heute mit seinem schlanken Körper und seinem großen Herz begeistert: der Whippet – der kleine Blitz aus England.

Das Wesen des Whippet – ein Sofa-Sprinter mit Stil
Wenn es um Hunde geht, denkt man an treue Begleiter, aufmerksame Wachhunde oder wild herumspringende Fellknäuel. Doch dann tritt der Whippet auf die Bühne – und plötzlich ist alles ein bisschen eleganter, ein bisschen schneller… und ein bisschen seltsamer. Aber wer oder was ist ein Whippet eigentlich genau?
These: Der Whippet ist der widersprüchlichste Hund der Welt – und genau deshalb lieben wir ihn.
1. Ein Sprinter, der am liebsten liegt
Whippets gehören zur Familie der Windhunde. Diese athletischen Körper, die aussehen, als hätte sie jemand mit einem Lineal gezeichnet, sind gemacht für Tempo. Ein Whippet sprintet mit über 50 km/h über die Wiese – für ganze drei Minuten. Danach? Sofazeit. Stundenlang. Vielleicht sogar mit Decke. Der Whippet ist das einzige Lebewesen, das Formel-1-Geschwindigkeit mit der Energie eines Teelichts kombiniert.
2. Sensibel wie ein Dichter, gefräßig wie ein Staubsauger
Whippets sind unglaublich sensibel. Ein schiefer Blick, ein zu lautes „Nein!“ – und sie schauen dich an, als hättest du ihre Seele verletzt. Gleichzeitig sind sie hemmungslose Fressmaschinen. Eine Torte auf dem Tisch, ein Sandwich am Rand des Sofas oder ein heruntergefallener Keks – für den Whippet ist das ein Jackpot. Sensible Gourmetdiebe mit langen Beinen.
3. Sozial – aber nur, wenn sie wollen
Whippets lieben Gesellschaft – meistens. Sie kuscheln mit dir auf dem Sofa, solange es ihre Seite ist. Andere Hunde? Nur, wenn sie gut riechen. Fremde Menschen? Kommt drauf an. Und wehe, jemand ist zu laut oder riecht nach… sagen wir… Nicht-Käse. Dann zieht sich der Whippet zurück – mit Würde, versteht sich. Man ist ja kein Terrier.
4. Mode-Ikonen der Hundewelt
Whippets frieren. Immer. 28 Grad draußen? Könnte frisch werden. 22 Grad drinnen? Wo ist der Pullover? Und ja – Whippets tragen Kleidung. Mäntel. Regenjacken. Pyjamas. Es gibt wahrscheinlich keine andere Rasse, bei der es sozial akzeptiert ist, den Hund wie einen minimalistischen Pariser Modedesigner zu kleiden. Und sie sehen dabei auch noch gut aus. Unglaublich.
Antithese: Vielleicht ist der Whippet doch einfach nur faul und verfressen?
Man könnte meinen, wir überhöhen hier ein paar Macken zu Charaktereigenschaften. Ein Hund, der nichts tut, ständig friert und alles frisst? Ist das nicht einfach ein Hund mit Mängeln? Doch nein – genau diese Mischung macht den Whippet zu einem ganz besonderen Begleiter.
Synthese: Der Whippet – ein Herz auf vier langen Beinen
Am Ende ist der Whippet das, was wir uns alle manchmal wünschen: schnell, wenn es drauf ankommt; still, wenn’s gemütlich wird; und immer bereit für ein Nickerchen oder einen Snack. Er ist sensibel, liebenswürdig, ein bisschen eigen – aber dafür mit Stil und Seele.
Wer sich auf das Wesen des Whippet einlässt, entdeckt einen Hund, der vielleicht kein Wachhund, kein Clown und kein Agility-Champion ist – aber definitiv ein Profi im Herzenserobern.
